Dritte Auflage

18.09.2017 | Bernd Speckmann | 0 Kommentare

„Bliss“ Harfenkontraste

Westfälische Nachrichten - 18.09.2017

Ein Solo-Konzert an der Harfe gab Jasmin-Isabel Kühne am Freitagabend im Beatclubkeller. Das Konzert hatte Licht und Schatten und war ausverkauft Foto: Ulrich Coppel

Greven - Mit „Kontraste“ war das Harfenkonzert im Beatclub-Keller trefflich überschrieben; denn Jasmin-Isabel Kühne traf in ihrer Adaption einer Lautensuite von Johann Sebastian Bach nicht immer den richtigen Ton. Im zweiten Teil aber wusste die Solisten glänzend zu überzeugen, das war große Klasse. Von Ulrich Coppel

Mit einem Konzert der jungen Harfenistin Jasmin-Isabel Kühne startete am Freitagabend die vom Beatclub (Greven) und der „Gesellschaft für Westfälische Kulturarbeit“ (GWK, Münster) gemeinsam veranstaltete Klassikkonzertreihe „Bliss“ in die dritte Auflage. Sichtlich erfreut über eine so große Resonanz hießen GWK-Chefin Susanne Schulte und Beatclub-Vorstandsmitglied Ralf Wietkamp das Publikum im restlos ausverkauften Gewölbekeller willkommen.

Als Susanne Schulte dann kurz den Lebensweg der bereits mit zahlreichen Preisen geehrten Solistin skizzierte, weckte dies Assoziationen zu einem ganz anderen Meister der Harfe. Sein Name: Xavier de Maistre.

Wie de Maistres, so führte Kühnes künstlerischer Weg über Anstellungen bei renommierten Orchestern hin zur „Harfe pur“, zur Soloharfe. Kaum ist die Literatur allerdings dem Publikum bekannt, und das, weil es auch nur sehr wenig davon überhaupt gibt. Und so leistet Kühne ähnliche Pionierarbeit wie de Maistre, dessen Programm in großen Teilen aus dem mediterranen Gitarrenrepertoire besteht.

Jasmin-Isabel Kühne wagte insofern mit Johann Sebastian Bachs „Lautensuite e-moll“ BWV 996 bereits zu Konzertbeginn den ganz großen Wurf. Ob Bach selber Laute spielte, weil seine Kompositionen so profunde Instrumentenkenntnisse voraussetzen – darüber streiten sich Lautenisten, Gitarristen und Musikwissenschaftler seit Langem vortrefflich. Sie polarisieren sich in zwei Lager: Akribisch, auf unbedingte Transparenz bedacht, trennen Gitarristen Bachs komplexe-kontrapunktische Stimmführung in ihren Bearbeitungen und Interpretationen auf einzelnen Saiten. Die „Bach war Lautenist“-Fraktion begründet ihre These dagegen mit dem großen lautentypischen „Campanella“-Soundpotenzial der Suiten, also des halligen Ineinanderfließens der einzelnen Stimmen. Was würde Kühne denn nun mit ihrer „Megalaute“ daraus machen? Leider blieb sie Antworten darauf schuldig. Im anfänglichen Presto, wie in der finalen Gigue fielen zahlreiche Stellen unsicher und fehlerhaft dem rasenden Tempo zum Opfer. Die typische, satzweise unterschiedliche Tanzrhythmik verlor sich in ähnelnden Verzierungen. Und die Courante fiel ganz aus. Schade.

Ganz anders, nämlich mit sehr großer Ausdruckskraft und tollen Klangfarben gefiel Kühnes Harfenspiel anschließend in Benjamin Brittens „Suite for Harp“, op. 83. Mit großer Gestaltungskraft versah sie hinreißende, bisweilen bluesige Passagen. Und natürlich durften „Piece Symhonique“ der großen französischen Harfenistin Henriette Renié, und Gabriel Faurés „Impromptu“ op. 86 nicht fehlen. Das war große Klasse und gefiel in der Gewölbeakustik ausgezeichnet. Mit „Kontraste“ war das Programm sehr zutreffend betitelt.

Quelle: Westfälische Nachrichten
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