„Journeymen“: Fünf coole Ostfriesen covern Clapton und begeistern im Beatclub-Keller

23.10.2017 | Bernd Speckmann | 0 Kommentare

It was wonderful tonight

Westfälische Nachrichten - 23.10.2017

„Journeymen“ setzten eigene Akzente und coverten die Stücke von Eric Clapton auf ihre ganz eigene Weise. Foto: Stefan Bamberg

Greven - Ist ja nicht so, dass der Mann besonders gut aussieht. Gewiss, es gibt größere Charismatiker. Vielleicht auch markantere Stimmen. Und doch keinen wie ihn. Eric Clapton macht einfach nur Musik. Dieser Auftakt würde ihm also wahrscheinlich gefallen: „Moin, moin!“, sagt Norbert Anneken nur – und dann geht er los, ohne Spektakel, einfach so. Der Abend für den wohl besten Gitarristen der Welt. Für die „Slowhand“. Von Stefan Bamberg

Mit „Pretending“ starten sie – gar nicht mal so bekannt, aber kein Wunder, da vom Album „Journeyman“. Und nach dem haben sich die fünf Kerle aus Ostfriesland benannt. Drei, vier Takte – das Publikum wippt schon. Der unverkennbare Clapton-Sound, direkt aus der musikalischen Champions League. „Das könnte ein lustiger Abend werden“, ahnt Frontmann Anneken. Weil: „Ihr Münsterländer und wir Norddeutschen – das ist ähnliches Temperament.“

Der ausverkaufte Braukeller tanzt nicht, er genießt. Aber hey: Hat Eric Clapton auf der Bühne jemals Anstalten gemacht, sich zu bewegen? Also. Eher vergessene Perlen machen den Anfang: Nummern aus Claptons früheren Band-Projekten, Songs aus der Kooperation mit seinem Freund JJ Cale. „After midnight“, die Version, die er kurz nach Cales Tod live spielte, daran erinnern wir uns. An die tragische Geschichte, als sein kleiner Sohn aus dem Fenster eines New Yorker Hochhauses fiel, natürlich auch. An anderes nicht mehr: Schlager der 50er, die er mit seinem Opa im Radio hörte – und später selbst interpretierte. Dass er seinem Kumpel George Harrison mal die Frau ausgespannt hat.

Die „Journeymen“ belassen es nicht bei den Hits, es ist auch eine kleine, feine biografische Reise. „My father’s eyes“, wieder einer dieser groovenden Ohrwürmer: Clapton verarbeitete darin, dass er seinen Papa nie kennenlernte. Und dann natürlich: „Cocaine“ – ja, von dem Zeug hat der gute Eric sicher eine Menge weggezogen. Früher mal.

Seine wilden Zeiten sind vorbei – passt also prima, dass ihn nun fünf coole Ostfriesen covern. Mit eigenen Akzenten freilich: „Lay down Sally“ und „Change the world“ gehen sowas von ab. Ausgerechnet „Layla“ hingegen – na ja, vergleichsweise schlapp. Aber Schwamm drüber, denn: „Die Version von „I shot the sheriff“ hat sich echt gewaschen. Bob Marley wäre mit dem Ding gerne berühmt geworden, Clapton wurde es.

Je später der Abend, desto länger die Soli. Gefühlt ein Stündchen – wow. „Ihr Lieben“, schmunzelt die Band nach rund zwei Stunden. „Wir wären am Ende, wir hoffen, es hat Euch gefallen.“

Um es mal frei nach Eric Clapton zu formulieren: Did they play all right? We say: Yes, they played wonderful tonight.

Quelle: Westfälische Nachrichten
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