Big Daddy Wilson im Beat Club

20.11.2017 | Bernd Speckmann | 0 Kommentare

Ein ganz Großer im Grevener Keller

Westfälische Nachrichten - 20.11.2017

Big Daddy Wilson mit Band vor ausverkauften Stuhlreihen im Beatkeller. Foto: Ulrich Coppel

Greven - Er kommt aus Bremen. Sieht nicht danach aus. Und singt alles andere als norddeutsch kühl. Big Daddy Wilson blueste im Beat Club. Von Ulrich Coppel

Unter den diversen hiesigen Tonträgerpreisen genießt der sich an Verkaufszahlen orientierende Echo den wenig charmanten Ruf, ein inzestuöses Kunstsiegel der Musikindustrie zu sein. Der „Deutsche Rock und Poppreis“ splittet sich in 125 verschiedene Kategorien à erste, zweite und dritte Preise, und gilt daher vielen als inflationär.

Der Ruf des „ Preises der deutschen Schallplattenkritik“ ist indes makellos, und ist deshalb die begehrteste nationale Ehrung in der Musikszene. Im ersten Quartal dieses Jahres verlieh ihn die Jury an Big Daddy Wilson für sein im Februar erschienenes aktuelles Album  „Neckbone Stew“in der Kategorie Blues.

Mit dem zwischenzeitig so Geehrten gab am Samstagabend im restlos ausverkauften Beatclub nach ziemlich genau einem Jahr ein ersehntes Wiedersehen.

Big Daddy Wilsons „John the Revelator“ Fassung, die der Bremer mit Wurzeln in den US-Südstaaten an den Anfang seines Programms stellte, kennt man aus dem Filmklassiker „Blues Brothers“.

Das Gospelstück stammt aus den 1930er Jahren und wurde erstmals durch Blind Willie Johnson bekannt. Für zig Musiker lieferte dieser Song das Rohmaterial, etwa Tom Jones Klassiker „Sex Bomb“. Im Blues und seinen Verwandten Stilen verschwimmen die Konturen. Das zwölf-taktige Schema mit harmonischen Varianten ist ein Vorrat, aus dem sich alle bedienen. Big Daddy Wilsons „John the Relevator“-Version klang einerseits schon nach Original-Gospel. Doch jene spezielle Soul-Blues Rezeptur, die Big Daddy Wilson mit Quartett (Gitarre, Bass, Schlagzeug) darbot, ist so einzigartig. Jedes Stück setzt Nuancen: Mal mehr bluesig, wie „Drop down here“, mal funky, wie „Miss Dorothy Lee“. Big Daddy Wilson ist ein ganz Großer.

Quelle: Westfälische Nachrichten
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