Beatclub-Bliss

27.11.2017 | Bernd Speckmann |

Tänzerisch, erfinderisch und ein bisschen strapaziös

Westfälische Nachrichten - 27.11.2017

Mal wunderbar melodiös,  mal ungewohnte Klangfelder: Xingye Li präsentierte ein überaus breites Spektrum der Gitarrenmusik. Foto: Ulrich Coppel

Greven - Gitarrrist Xingye Li ist schon viel in der Welt herumgekommen. Er studierte Gitarre in China, Korea und breitet sich derzeit in Berlin auf das Konzertexamen vor. 2011 erhielt er einen der begehrten Förderpreise der „Westfälischen Gesellschaft für Kulturarbeit“ (GWK) – und gastierte nun in der Reihe „Bliss“, die GWK und Beatclub gemeinsam veranstalten.

Der alte Gewölbekeller im Goldenen Stern, auch diesmal fast ausverkauft, eignete sich hervorragend für das Konzert am Freitagabend, bei dem Li Werke von Bach, Castelnuovo-Tedesco, Dun und Britten interpretierte.

Erst jüngst hatte im Beatclub die Harfenistin Jasmin-Isabel Kühe die Lautensuite e-moll, BWV 996 vorgestellt. Auch Li stellte dieses zentrale Werk der Musikgeschichte an den Beginn seines gut einstündigen Konzertes. Er hatte mit mancher kurzer Konzentrationsschwäche zu kämpfen, glänzte jedoch mit makellosem, blitzsauberem Ton. In Wiederholungen innerhalb mancher Sätze, die Li stets tänzerisch fein inspiriert gestaltete, wählte er, wie etwa in der Allemande, nicht nur variierende Klangfarben, sondern sogar bisweilen eigene und frei gestaltete Melodielinien - diese jedoch stets exakt streng an barocke Aufführungsregeln gebunden. Sehr schön!

Sein „Lieblingsstück“, die Sonata op. 77 „Omaggio a Boccherini“ des italienischen Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco, interpretierte Li anschließend mit größter Präzision, Leidenschaft und stupender Virtuosität. Castelnuovo-Tedesco, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, ist, trotz seiner vielen Werke für Gitarre, als Filmmusikkomponist bekannter.

In „Seven desires for guitar“ bescherte Li eine Vielzahl von Klang- und Geräuscheffekten auf der Gitarre. Das komplett atonale Werk klang mal nach Trommel, mal nach Bongo, mal nach Kirchenglocke. Töne waren stets als Farben markiert, und die wusste Li reich und genau zu gestalten. Für Gitarristen seiner Schule ist das vertraut - für manchen Klassikliebhaber im Publikum strapaziös.

Mit Benjamin Brittens „Nocturnal“ after John Dowland, op. 70, wählte Xingye Li einen Klassiker der modernen Gitarrenliteratur zum Ende seines Konzertes. Schön gespielt - sehr oft gehört. Zu oft, wie viele Kollegen seines Fachs meinen. Es gibt doch soviel Neues für das Instrument, das noch immer um seinen Rang auf den Konzertbühnen kämpfen muss.

In der Zugabe dann eine wunderschöne Fantasie des britischen Renaissancekomponisten John Dowland – belohnt von langem, herzlichem Applaus.

Ulrich Coppel

Quelle: Westfälische Nachrichten
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