Farfarello im Beat Club

11.12.2017 | Bernd Speckmann |

Gewitterstürme wie eh und je

Westfälische Nachrichten - 11.12.2017

Farfarello-Geiger  Mani Neumann suchte das Bad in der Menge. Foto: Günter Benning

Greven - Farfarello ist eigentlich eine kleine Band, die gehörig viele Töne produziert. Begeisterung bei zwei Konzerten im Beat Club Greven. Von Ulrich Coppel

Die Hildener Formation „Farfarello“ spielte 5. Dezember 1979 ihren ersten Auftritt, wie Gitarrist Ulli Brand am Rande verriet. Fast genau auf den 38. Geburtstag fielen die beiden Beat-Club-Konzerte von Farfarello mit „Teufelsgeiger“ Mani Neumann, und Brand, die sich dafür mit Bratschist Ulli Heidelberg, zum „kleinsten Sinfonieorchester der Welt“ verstärkt hatten.

Für die zahlreichen Farfarello—Fans in der Beat Club-Gemeinde war dies zugleich ein Wiedersehen.

Die unvergleichliche Farfarello-Story begann mit einer eigenen Crossoverversion von Vittorio Montis Klassiker „Csardas“, zugleich der erste Hit des Duos.

Seither rockt Farfarello mit ganz speziellem Sound, bestehend aus bekannten Klassikmotiven, (diesmal etwa aus Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert oder Aram Chachaturjans „Säbeltanz“), Balkan-Folkloristischen und Hardrock/ Heavy Metal Einflüssen.

Frontmann Mani Neumann shakerte zwischen den Stücken wie eh und je vergnügt mit dem Publikum, und erzählte lustige Anekdoten, die dann nach manch unterhaltsamer Wirrung in ein Stichort zum Beginn des nächsten Programmpunkts mündeten. So kam es beispielsweise dazu, dass Greven nach einer fünfminütigen Moderation einen eigenen Opernball zugesprochen bekam.

Neumanns Art zu musizieren ist noch immer genau so exzentrisch wie in den großen Farfarello-Zeiten, den 1980er Jahren. Ulli Brand schrammelt seine drei Kunststoffkorpus-Gitarren noch immer genauso groovig, und liefert so das grundsolide Fundament für Neumanns virtuose Improvisationen auf Geige und diversen Blockflöten.

Bratschist Ulli Heidelberg, verstärkte den Farfarello-Kern sicher und elegant mit Frack und Fliege.

Immer wieder zogen die Musiker durchs Publikum, was den Fans natürlich besonders gefiel. Selbst eine gerissene D-Saite an Neumanns Geige führte nicht zum Abbruch des Stücks. Der spielte auf den verbleibenden drei Saiten seine Soli einfach so weiter, als wäre gar nichts geschehen. Farfarello sind einfach so dermaßen routiniert und gut drauf, dass sie nach innen hin scheinbar gar nichts aus der Ruhe bringen kann. Nach außen entlud sich ein Gewitter nach dem anderen.

Atempausen gab es zwischendurch nur während der zarten kleinen Instrumentalballaden, in denen auch schon mal ein E-Piano (Neumann) zu melancholischen Akustikgitarrensoli arpeggierte. Aber das war dann nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm.

Quelle: Westfälische Nachrichten
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